Als ich noch schwamm
Fulldome-Kurzfilm über einen alten Wal, der auf sein Leben zurückblickt: von Seetangwäldern voller Leben und großen Schwärmen zu einer leeren Welt.
Jahr2026
ModulStereografie & Immersive Medien
FormatFulldome, 180°
Laufzeit7:28
Semester6. Semester
ToolBlender
Ein Wal, der zurückblickt
Ein alter Wal liegt in seinen letzten Momenten und lässt sein Leben vorbeiziehen. Er erinnert sich an die Seetangwälder seiner Kindheit, an die großen Schwärme im offenen Meer, an eine Welt, die voll und in Bewegung war.
Der Film ist in zwei Teile gebaut. Der erste führt in die Unterwasserwelten, die der Wal ein Leben lang kannte: lichtdurchflutet, ruhig, lebendig. Der zweite kehrt an dieselben Orte zurück, nur Jahrzehnte später. Fischernetze, Plastik, Lärm und ein Seetangwald, in dem nichts mehr lebt. Was vorher voll war, ist jetzt leer.
Dies ist nur eine flache Vorschau. Der Film wurde für eine 180-Grad-Kuppel konzipiert. Dort umgibt das Bild die Zuschauer, deshalb wirken Perspektive, Animation und Bewegung anders, und viele Konzeptentscheidungen sind speziell auf das Format zugeschnitten. Als normales Video wirkt der Film deshalb nicht so, wie er in der Kuppel gedacht ist.
Was Fulldome ist
Fulldome kennt man aus Planetarien. Das Bild wird dort nicht auf eine flache Leinwand geworfen, sondern auf eine halbkugelförmige Projektionsfläche über dem Publikum. Mehrere Beamer projizieren es mit Fischaugenoptik über 180 Grad an die Innenwand der Kuppel. Es gibt keinen Bildrand und keinen Rahmen, der das Bild am Rand des Sichtfelds enden lässt.
Das Publikum sitzt nicht vor der Projektion, sondern in ihr. Das periphere Sehen wird mitgenutzt: Das Bild ist überall da, wohin das Auge reicht. Man kann den Blick frei bewegen, aber der Film kann ihn führen. Für einen Unterwasserfilm heißt das, der Ozean liegt nicht hinter einer Leinwand, sondern um uns herum.
Warum Fulldome und nicht 360° oder VR
Im Modul Stereografie & Immersive Medien standen für das Projekt drei Kanäle zur Auswahl: 360-Grad-Video, VR und Fulldome. Ich habe mich für Fulldome entschieden, weil das Format am besten zu dieser Geschichte passt.
Gegen ein 360-Grad-Video sprach, dass es letztlich ein flaches Video bleibt, das man auf einem Bildschirm oder im Headset anschaut. Das Bild umschließt den Raum nicht, deshalb fehlt die Immersion, die eine Kuppel erzeugt. Im Fulldome sitze ich dagegen mitten in der Unterwasserwelt. Das Bild umgibt mich, und trotzdem lässt sich der Blick führen. Diese Umschlossenheit brauche ich für einen Film, der im Meer spielt.
Auch VR kam für mich nicht infrage. Dort bewegt sich der Kopf frei, überall um mich herum muss etwas passieren, und die Blickrichtung lässt sich kaum führen. Daran leidet die Erzählung, und Szenen wirken schnell wie ein Videospiel. Mir ging es um die Wirkung und um die Erzählbarkeit. Die Kuppel führt das Auge sanft, ohne es einzusperren. Der Wal soll uns umgeben, nicht hinter einer Scheibe stehen.
Immersion ist eine andere Art zu erzählen
Die Kuppel diktiert die Bildsprache. Bewegungen bleiben langsam und nah an der Bildmitte, die Kamera führt ruhig. Schnelle Schnittfolgen desorientieren, weil das Auge die Weite der Kuppel nicht so schnell erfassen kann wie einen Bildschirm. Schrift im Bild funktioniert nicht, weil sie in der Kuppel schwer zu lesen ist und den Blick aus dem Bild zieht. Das Tondesign muss von Anfang an für Mehrkanal-Audio mitgedacht werden. Stille wird dabei zum Gestaltungsmittel.
Hinter all dem steht ein Gedanke: Immersion ist kein Effekt, den man über einen Inhalt legt. Sie ist eine andere Art zu erzählen. Eine Geschichte, die auf dem Bildschirm funktioniert, funktioniert in der Kuppel nicht automatisch besser. Sie muss neu gedacht werden. Der Film ist 2026 im 6. Semester im Modul Stereografie & Immersive Medien an der TH Lübeck entstanden. Man muss den Film in einer Kuppel sehen, um ihn wirklich zu sehen.